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Wölkchen
von Topp-Rippin
Jedes Jahr im Frühsommer fällt ein fester Kern unseres Vereines für 4 - 6 Tage in die Rhön ein und das schon traditionell seit über 20 Jahren. So auch im Jahre 1995, wo wir uns bei herrlichstem Wetter mit Nordwind an der Kissinger Hütte einfanden.
Mitten im Fluggeschehen kramte auf einmal Freund Lothar einen Hangsegler der ersten Tage aus dem Kofferraum, ein Wölkchen, ziemlich angestaubt, etliche Kampfspuren waren nicht zu übersehen. Er erzählte uns, was er mit dieser Kiste schon alles erlebt hatte und er fand, dass es mal wieder an der Zeit sei, es zu lüften. Er erklärte uns auch, dass dieses Modell eigentlich nie so richtig fliegen wollte, obwohl es doch von seiner äußeren Form als schnittige Hangkanten-Fräse prädestiniert wäre. Aber wir sollten uns selbst einmal davon überzeugen und mit diesen Worten entließ er das Wölkchen in den Nachmittags-Himmel rund um die Kissinger Hütte.
Nun, Freund Lothar frönt dem Flugmodellsport schon seit mindestens 3 Jahrzehnten und er ist sicherlich ein recht erfahrener Pilot. Er scheut dass riskante Fliegen, das gemächliche Kreisen am Himmel entspricht eher seinem persönlichen Flugvergnügen. Vielleicht hängt er auch manchmal zu sehr am Höhenruderknüppel. Im Falle des Wölkchen sah das wirklich nicht sehr berauschend aus, es hing in der Luft wie ein nasser Sack, auch die Landung sah eher gewollt als gekonnt aus.
Solch dürftige Vorstellungen sind natürlich ein gefundenes Fressen für Freund Thomas. Seine Kommentare zu solchen Anlässen erheitern die umherstehende Fluggemeinde und bringen den Piloten schier zur Verzweifelung. "Frotzeln" heißt diese, in unserem Verein allzeit beliebte Art der Kommunikation in der Rhön. Mit den Worten "Mach es doch besser" übergab daraufhin Lothar den Sender an Thomas.
Freund Thomas ist nicht nur unser Vereinsvorsitzender, sondern mit seinen fliegerischen Allround-Qualitäten auch der beste Pilot in unserem Verein. Mit seiner recht eigenwilligen These "Das muss das Modell abkönnen" jagt er alles, was fliegen kann, äußerst eindrucksvoll und mit Nachdruck durch die Lüfte. Er unterscheidet dabei allerdings nicht, ob es sich um sein eigenes oder ein fremdes Modell handelt.
Nachdem er beim Wölkchen zunächst einmal sämtliche Ruderausschläge bis zum Anschlag vergrößert hatte, "Wie soll ich den sonst eine Rolle fliegen", wurde es erneut gestartet. Was wir dann zu sehen bekamen war atemberaubend. Mit einem Affenzahn ließ er das Wölkchen entlang der Hangkante flitzen, Looping aufwärts, Looping abwärts, so schnell konnte man gar nicht schauen, wie er das Wölkchen jagte. Eine wahrlich beeindruckende Vorstellung, die erneut seine fliegerischen Qualitäten dokumentierten und natürlich auch die des Wölkchens.
Begeistert von diesem Auftritt wollte auf einmal jeder in unserer Truppe ein Wölkchen bauen, es sollten 6 Stück angeschafft werden. Spezialist für solche Großeinkäufe ist natürlich Freund Lothar, der sofort zum Handy griff und von der Kissinger Hütte aus mit Modellbau Rippin in Iserlohn einen festen Termin für nachmittags, an unserem Abreisetag, vereinbarte.
Nach der Devise "Mit zweien lässt sich besser verhandeln" fuhr ich dann letztlich mit Lothar gemeinsam nach Iserlohn. Bei Rippin angekommen, war die Enttäuschung zunächst einmal groß, da Herr Rippin uns mitteilte, dass er nur noch ein Wölkchen vorrätig hätte und er dieses auch nicht mehr herstellte. Nachdem wir ihm die besondere Situation eingehend und mit Nachdruck erläutert hatten und mit einer Bestellung von 6 Wölkchen drohten, sagte er tatsächlich zu, die alten Formen noch einmal aufzuarbeiten und speziell für unseren Verein eine Sonderserie herzustellen. Er ließ uns sogar die Wahl, ob wir die Flächen in einer geteilten oder durchgehenden Ausführung haben wollten. Einfach genial, leider ist Herr Rippin zwischenzeitlich viel zu früh verstorben. 4 Wochen später waren alle Wölkchen fertig und jeder konnte mit dem Bau beginnen.
Das Ur-Wölkchen wurde von Yogi-Airlines vor langer, langer Zeit konstruiert und vertrieben. Nach der Aufgabe der Geschäftstätigkeiten von Yogi-Airlines hatte Rippin einige Modelle in sein Sortiment übernommen. Das Wölkchen besitzt einen GFK-Rumpf, die Styroporflächen sind beplankt, das V-Leitwerk besteht aus ebenen Balsaplatten.
Weiterhin bekamen wir noch eine handgeschriebene, nichts aussagende und mit Handskizzen versehende Bauanleitung dazu. Die Querruder sind durchgehend und werden mit je einem Flächenservo angelenkt, das Profil ist eine modifiziertes Ritz 2. Zwei weitere Servos für das V-Leitwerk verleihen dem Modell entsprechend erweiterte Kunstflugeigenschaften. Interessant ist auch die Schwerpunktlage, die durch die starke Pfeilung bei ca. 70% liegt! Die Flächenpfeilung bewirkt auch für mich widersprüchliches Flugverhalten: Stellt man die Querruder nach oben an, geht es wie ein Fahrstuhl aufwärts, entsprechende Wetterlage vorausgesetzt. Stellt man die Querruder nach unten an, wird es seinem Aussehen entsprechend pfeilschnell. Hartmut Siegmann (Nurflügler-Guru Siggi) hat mir diesen Effekt einmal wissenschaftlich erklärt, ich hab´s so richtig eigentlich nicht verstanden. Sei´s drum.
Exakt ein Jahr später stand die nächste Rhön-Tour an und wie der Zufall es wollte wurden die Wölkchen alle an der Kissinger Hütte eingeflogen. Es war schon interessant, wie unterschiedlich die Rippin´sche Bauanleitung interpretiert wurde. Nun, viel gibt es am Wölkchen nicht zu bauen, aber einige kleine, feine Details machten hier den Unterschied aus.
Bis auf eines existieren sie alle noch, für einige hat es zwischenzeitlich Kult-Status erreicht, viele schöne Erinnerung verbindet diesen seltsamen Hangsegler.
Es macht einfach nur Spaß mit dem Wölkchen zu fliegen. Man darf es nicht zu langsam machen, sonst schmiert es gnadenlos über die Flächen ab. Wenn´s am Hang richtig kachelt, greife ich immer wieder gerne auf mein Wölkchen zurück.
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Technische Daten
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Spannweite
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2000 mm
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Länge
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1006 mm
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Profil
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Ritz 2 mod.
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Gewicht
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1565 gr.
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Schwerpunkt
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168 mm
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Servos
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Querruder
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2 x C341
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V-Leitwerk
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2 x C508
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Juni 2002
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