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Spacewalker
von Modellbau Vogt

Vor einigen Jahren konnte ich günstig einen nagelneuen OS FT-300 Gemini erwerben. Dieser 4-Takt Boxermotor, mit einem Hubraum von knapp 50 ccm, ist ein wahres Kleinod der modernen Feinmechanik. Lange Zeit habe ich hierfür nach einem passenden Modell gesucht. Sicherlich wäre solch ein Motor gerade prädestiniert für eine größere Piper, jedoch sind die fliegerischen Möglichkeiten eines solchen Modells sehr eingeschränkt. Der Zufall brachte mich über eine Anzeige in einer Fachzeitschrift zu Modellbau Vogt, der einen Spacewalker in entsprechender Größe in seinem Programm hatte. Das Modell basiert auf einen Bauplan von D. Tapsfield im Maßstab 1:3,5, der im vth-Verlag angeboten wird und entspricht dem amerikanischen Original.
Ca. 2 Wochen nach der telefonischen Bestellung erreichte mich ein riesiges Paket mit folgendem Inhalt:
- GFK-Rumpf mit separaten GFK-Motorhaube
- beplankte Styropor-Flächenhälften sowie Höhen- und Seitenleitwerk derselben Machart
- jede Menge Balsaleisten für die Leitwerksklappen
- Holz/Styropor-Sandwichplatte für die hintere Cockpitverkleidung
- GFK-Hauptfahrwerk und GFK-Spornradaufnahme mit Achslager
- Alu-Steckrohr mit Phenol-Hülse für die Rumpfdurchführung
- Lexan für die Windschutzscheibe
- Glasgewebe mit eingewebten CFK-Fasern
- Pläne für die Leitwerksklappen im Maßstab 1:1, Baubeschreibung, Kopien eines früheren Testberichtes einer Fachzeitschrift sowie einige S/W Photos von bereits erstellten Modellen
Ein Satz Radabdeckungen wurde gleichfalls geliefert, diese müssen jedoch separat bei Vogt bestellt werden.
Tragflächenbau
Die Tragflächen werden, laut Vogt, in einem speziellen Pressverfahren hergestellt. Die Nasenleiste ist bereits verschliffen, ebenso wie die Randbögen. Die Steckung ist fix und fertig, ein gedrilltes Kabel findet man im Kabelkanal bis hin zu den ausgefrästen Servoschächten. Das Kabel hatte jedoch nach meiner Auffassung einen zu geringen Querschnitt, also wurde es ausgetauscht. Die Servoschächte sind für die Aufnahme von MPX-Servohalterungen dimensioniert, für den Einbau von C4021 sind diese Halterungen zu klein. Für das verwendete variable Haltesystem von KDH, dieser Einbaurahmen besitzt je eine geschlossene Abdeckung für innenliegende Anlenkungen und eine Abdeckung mit Hutze für das Anlenkungsgestänge, wurden die Ausfräsungen in der Fläche vergrößert.
Die Querruder sind an der Fläche vorgefräst und müssen herausgetrennt werden. Laut Vogt braucht man sie nicht mehr zu verkasten, da sich genau im Bereich der Fräsung ein dicker Balsaholm befindet. Da aber der Fräsvorgang sehr wellig ausgefallen war, konnte das Resultat nach Abtrennen der Querruder überhaupt nicht überzeugen. An Flächen und Querruder wurde dementsprechend mit dünnerem Balsa nach verkastet.
Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, das Modell mit Landeklappen auszurüsten, obwohl das von der Flächengeometrie und vor allen Dingen von der gewaltigen Flächentiefe überhaupt nicht notwendig gewesen wäre. Trotzdem, es musste sein und dementsprechend viel der Rest der Endleiste vom Wurzelbereich bis zu den Querrudern der Bandsäge zum Opfer. Einen zusätzliche Ausfräsung noch, für einen weitere Servohalterung, so gehen Wünsche in Erfüllung. Durch die große Profildicke und in Verbindung entsprechender Landeklappenscharnieren konnte ich auch eine komplette innenliegende Anlenkung realisieren.
Der Rumpf weist für die Alu-Steckung bereits fertige und passende Bohrungen aus, im Rumpf selber wird lediglich für die Steckrohr-Aufnahme eine Phenolhülse eingesetzt, die im Wurzelbereich mit Gewebeband und Epoxydharz verklebt wird. Im hinteren Wurzelbereich der Fläche wird zusätzlich noch ein Holzdübel zum Fixieren der Flächen am Rumpf eingesetzt. Nach Aufschieben der Flächen auf die Steckung ergibt sich ein saugender Übergang an die Rumpfanformung. Einfach phantastisch, kein Spalt, kein Überstehen der Nasen- oder Endleiste (Landeklappen). So muss es sein!
Für die Flächenbefestigung habe ich mein Patentrezept verwendet. Hierfür wird ein 10mm Rundholz vom Wurzelbereich in die Fläche versenkt und mit genügend Epoxy verklebt, in das Rundholz wird gleichfalls ein 6mm Gewindestab eingesetzt, später werden die Flächen von innen mit Flügelmuttern gesichert.
Leitwerke
Höhen- und Seitenleitwerk sind als Sandwichplatten fertig vorhanden. Hier müssen lediglich rund herum Balsaleisten aufgeklebt werden, die Vorderkanten werden dann entsprechend durch Schleifen profiliert. Viel interessanter ist der Aufbau der Leitwerksklappen. Diese werden mit Balsaleisten wie ein Fachwerk auf dem ebenen Baubrett erstellt. Dem Baukasten ist entsprechendes Baumaterial beigefügt, jedoch kam bei näherer Betrachtung keine Freude auf, den die einzelnen Balsaleisten hatten unglaubliche Toleranzen, sodass ich sie allesamt als Rührstäbe für spätere Hausanstriche beiseite legte. Der Aufbau gelingt auf dem Baubrett mittels 1:1 Plan recht flott, die gebogenen Endleisten werden aus 5 Lagen Balsa-Streifen mit 1,5 mm Stärke hergestellt. Dafür gibt es viele Arbeitsmethoden, hier ist meine: Grundsätzlich werden alle Balsastreifen vor dem Verarbeiten für ca. 15 Sekunden in lauwarmes Wasser eingetaucht. Die erste Lage wird auf dem Baubrett fixiert und mit normalem Weißleim (kein Express) an das Balsa-Fachwerk geklebt. Nach reichlicher Trocknungszeit (über Nacht) werden die restlichen Lagen in einem Zug nach und nach angebracht und jeweils vollflächig verklebt. Hierbei sollten reichlich Wäscheklammern greifbar sein. Zum Abschluss müssen die einzelnen Klappen entsprechend der nach hinten abnehmenden Profildicke verschliffen werden, hier ist sorgfältiges und genaues Arbeiten erforderlich.
Das Seitenleitwerk wird stumpf auf das Höhenleitwerk geklebt und die Verbindung mit zusätzlichen, seitlichen Leisten verstärkt. Die Bauanleitung sieht ein mittels Schrauben demontierbares Leitwerk vor, ich habe es jedoch letztlich komplett auf den Rumpf geklebt.
Der Rumpf
Dem GFK-Rumpf wurde herstellerseitig von außen eine feine Struktur verpasst, was dem Vorbild gerecht eine Stoffbespannung imitieren soll. Die notwendigen Arbeiten sind hier schnell erledigt. Es müssen Verstärkungen aus Sperrholz im Fahrwerksbereich, am Motorspant, im Bereich der Leitwerksbefestigung sowie für das Spornrad einlaminiert werden. Im Bereich des Cockpits findet man innen Abreißgewebe. In diesem Bereich kann ein Aufnahmebrett für Servos und Empfänger montiert werden, durch das Abreißgewebe ergibt sich einen sichere Klebeverbindung mit dem Rumpf. Ansonsten gilt: Bei allen Verklebungen mit dem Rumpf gut säubern und anschleifen, da noch sehr viel Trennmittel auf dem GFK haftet, natürlich nicht im Bereich unterhalb des Abreißgewebes. Vor der Montage der RC-Komponenten habe ich mir Gedanken über die mögliche Schwerpunktlage gemacht. Die gewählte Motorisierung gehört schon zur oberen Leistungsgrenze und ein OS-FT 300 hat schon mit 1,83 kg ein gewaltiges Kampfgewicht. Dementsprechend entschloss ich mich die Servo soweit wie möglich im Rumpfende zu verstauen, eine weise Entscheidung, wie sich letztlich herausstellte. Hierfür wurde aus der Rumpfunterseite eine Öffnung hergestellt und die dabei ausgeschnittene GFK-Platte als Abdeckung wiederverwendet. Die Anlenkung der beiden Höhenruder erfolgt im Rumpfinneren mittels dünnwandigen Kohlerohren, am Rumpfaustritt geht es mit 3 mm Stahldraht nahtlos weiter. Das Seitenruder wird über die bewährten Fesselfluglitzen beidseitig angelenkt. Nachdem für den 750 ml Tank eine entsprechende Auflage hinter dem Motorspant montiert war, ging es an die Sonderwünsche. Dem 4-Takt Boxer sollten über einen speziell für diesen Motor entwickelten two-in-one- Dämpfer aus dem Hause Herzog entsprechende sonore Flüstertöne beigebracht werden. Der Dämpfer sollte nach meinem Vorstellungen im Rumpf verschwinden. Hierzu war ein GFK-Resorohrtunnel erforderlich, den ich dann auch bei Delro mit passendem Auslassbogen fand. Durch die Steckung verläuft dieser Tunnel recht hoch im Rumpf, später musste ich leider feststellen, dass eine maßstabsgerechte Figur samt Pilotensitz keinen Platz mehr fand. Schade! Das GFK-Fahrwerk ist schnell montiert, musste aber kräftig geschliffen werden, da es nicht so recht in die vorbereitete Rumpfausparung passen wollte. Die GFK-Spornradaufnahme konnte nun überhaupt nicht gefallen, da sie für die Rumpfform am Ende viel zu breit war. Hier wurde eine entsprechendes Pendant von KDH angeschafft, welches darüber hinaus mit Steckachse, Anlenkhebel und allen drum und dran komplett ist.
Motoreinbau
Die Motormontage ist neben dem Finish die zeitaufwendigste Sache. Die Motorhaube ist ewig lang, sodass ein Distanzstück für die Montage an den Motorspant erforderlich wird. Vogt bietet solch ein Teil in GFK an, jedoch war dies für den OS unbrauchbar. Daraufhin drehte ich mir Distanzstücke aus 15mm Alu-Vollmaterial mit entsprechenden beidseitigen Gewindebohrungen für die Schraubbefestigungen. Über die Länge der Distanzstücke konnte der Seitenzug von 1,8 Grad eingestellt werden, der Sturz ist im Motorspant eingebaut. Zur Verringerung der allerdings ohnehin geringen Vibrationen des Motors, setzte ich noch zusätzlich Schwinggummis an die Alu-Bolzen. Ein Boxer hat dicke Backen und die schauen aus der Motorhaube heraus, das sollen sie auch. Nur dafür musste im vorliegendem Fall die Motorhaube längs geteilt werden, was auch eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit ist, dafür wird man mit einer tollen Optik belohnt.
Finish und Komponenteneinbau
Die Flächen und Leitwerke wurden zweifarbig mit Oracover bebügelt, alles andere erhielt eine Spritzlackierung mit bewährtem 2-K-Lack. Die Kennungen und Flächenbeschriftung wurden selbstklebend mit einem Schneideplotter gezaubert, wie gut das man Freunde hat, die auf solches Gerät zurückgreifen können. Abschließend noch die Windschutzscheibe und das ganze Drum und Dran, was ein Modell letztlich so anschaulich macht. Da die Servos bereits alle montiert waren, dass Drosselservo fand im Bereich des Tankraumes seinen Platz, ging es zunächst auf die Schwerpunktwaage. Jo, wie vermutet neigt der Vogel die Nase kräftig nach unten. Dies bedeutet Wohl oder Übel, alle Akkus soweit wie möglich nach hinten jenseits des Schwerpunktes. Dies betraf den Empfängerakku als auch die Energiequelle für die Glühung. Apropos Glühung, hier wurde ein sehr feines Teil von der Fa. Microsens verwendet. Hierbei wird der Strom elektronisch getaktet, dementsprechend setzt die Glühung bei z.B. Halbgas im geringen Umfang ein und verstärkt sich immer mehr in Richtung Leerlauf, wobei der Glühbeginn frei programmiert werden kann. Diese Glühautomatik begnügt sich bei einem Boxer mit 3 Zellen, eine Kapazität von je 3500 mAh beschert ein langes Flugvergnügen. Durch die Platzierung des Glühakkus im hinteren Servoschachtbereiches des Rumpfes konnte die gewünschte Schwerpunktlage ohne Bleizugabe erreicht werden. Der abschließende Gang auf die Waage brachte eine Gesamtgewicht von 8590 Gramm.
Fliegen
Das Fliegen mit solch großem Gerät erwies sich als vollkommen unspektakulär. Wenn es eine Steigerung von gutmütig gibt, heißt es Spacewalker. Man zieht seine Kreise eh nur mit Halbgas, das Überziehverhalten ist dermaßen unkritisch, dass man das Modell bei entsprechendem Gegenwind praktisch in der Luft einparken kann. Langsame Tiefflüge in Normal- oder Rückfluglage geben eine gute Performance her, der Motor hat eine enorme Durchzugskraft. Aus dem langsamen Rückenflug mit halbem Looping und kurzem Gasstoß aufwärts in die Normallage, kein Problem. Rolle, Looping, Trudeln, alles geht recht behäbig, ist aber schön anzusehen. Für einen sauberen Messerflug müsste die Schwerpunktlage wohl weiter zurückgenommen werden, was mich aber nicht weiter stört. Es macht einfach nur Spaß mit diesem Modell zu fliegen. Auch die Landeklappen erfüllen ihren Zweck recht ordentlich, aber wie gesagt, man hätte darauf verzichten können, es sieht aber gut aus. Die Schalldämpfung ist einfach genial. Bei Halbgas, insbesondere wenn das Modell auf einen zufliegt, hört man den Motor nicht mehr, bei Vollgas ergibt sich ein nicht aufdringlicher, sonorer Sound.
Zusammenfassend kann ich sagen: Eine gelungene Modellkonstruktion mit sehr hohem Spaßfaktor. Wenn man einmal von der schlechten Qualität der Balsaleisten für den Klappenbau absieht, erhält man für den Preis hochwertige Rumpf und Flächenkomponenten, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt!. Für mich ist Modellbau Vogt auch zukünftig eine erste Adresse.
Änderungen und Optimierungen nach den ersten Flügen
Die Idee mit den Schwingummis war gut, jedoch waren sie zu weich, sodass der Motor gerade im Leerlauf anfing, sich zu schütteln als wolle er die Dinger los werden, was die Motorhaube am stärksten zu spüren bekam. Also wurden die 15 mm gegen solche mit 20mm Durchmesser ausgetauscht, damit war dieses Thema erledigt.
Es stellt sich aber ein weiteres Problem ein, womit ich nun überhaupt nicht gerechnet hatte und zwar die Kühlung. Dies betraf auch nicht die Zylinderköpfe, die ja größtenteils im Luftstrom des Propellers liegen, sondern die thermischen Probleme tauchten am Schalldämpfer auf und dort so heftig, dass sich der Resorohrschacht tiefbraun verfärbte und die flexiblen Stahl-Wellschläuche am Übergang zum Schalldämpfer eine leichte Blaufärbung annahmen. Der Herzog-Dämpfer, dessen Form einem Resorohr gleich kommt, wurde nach alter Väter Sitte mittels drei sternförmig angeordneten Silikon-Schlauchstücken in den Tunnel eingebettet. Aber offensichtlich habe ich den Tunnel im Durchmesser zu klein dimensioniert, es bildet sich rund um den Schalldämpfer lediglich ein Spalt von ca. 6 mm aus, sodass nicht genügend Kühlluft durch den Tunnel zirkulieren konnte. Zunächst habe ich der Motorhaube auf der Unterseite eine größere Öffnung verpasst und eine weitere im Bereich des angedeuteten Ölkühlers an der Front der Haube. Diese Öffnung liegt axial genau in Höhe des Resorohrtunnels, was die Hitzeprobleme weitgehend beseitigte. Trotzdem sollten Nachbauer darauf achten, das bei ihrem Modell ein größerer Tunnel mit ca. 65-70 mm Durchmesser zum Einsatz kommt.
Die Verbindung der Wellschläuche mit dem Herzog-Dämpfer erfolgt über Teflon-Schlauch und Schlauchschellen. Dicht bekommt man diese Verbindung damit nicht, sodass Schläuche und Dämpfer nach einiger Zeit von den austretenden Ölrückständen ziemlich braun aussahen. Ein zusätzliches Abdichten mit Hochtemperatur-Silikon (bis 350 °C) brachte hier den dichten Erfolg.
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Technische Daten
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Spannweite
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231 cm
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Länge
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1,65 cm
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Gewicht trocken
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8,59 kg
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Motor
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OS FT-300
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Luftschraube
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Profi Prop 18 x 10 “
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Treibstoff
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16% Öl, 5% Nitro
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Servos
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Querruder
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2 x C4021
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Landeklappen
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2 x C4021
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Höhenruder
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2 x C4041
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Seitenruder
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C4451
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Motordrossel
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C5001
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Glühung
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Microsens Glow 5
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Empfänger-Akkus
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4 x NC 1800 mAh
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Glühakkus
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3 x NiMh 3500 mAh
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April 2002
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